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1954

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Die Machtbasis des Autokraten Tscherwenkow innerhalb der kommunistischen Partei schwindet nach Stalins Tod. Ähnlich der Praxis in der Sowjetunion schlägt er auf dem 6. Parteitag im März 1954 eine kollektive Führung vor.

Quelle: ČTKTodor Schiwkow wird am 5. März 1954 zum Ersten Sekretär der Bulgarischen Kommunistischen Partei gewählt. Tscherwenkow bleibt Regierungschef. Er erwartet von dem bis dahin unbedeutenden Schiwkow wenig Einfluss auf seine Stellung. Doch die politische Entwicklung in der UdSSR und in Bulgarien ähnelt sich. Die Phase einer Ämterteilung bringt einen neuen Herrscher mit alleiniger Verfügungsgewalt hervor. Dieser kommt in beiden Fällen aus der Partei – dort Chruschtschow, hier Schiwkow.

Schiwkow bleibt 33 Jahre, bis 1989, in all seinen Ämtern. Er ist der am längsten amtierende Staats- und Parteichef in Osteuropa. Durch diese scheinbar konfliktarme Machtsicherung betitelt der Westen Bulgarien als die „ruhigste Baracke des Sozialismus“.

Todor Schiwkow 1. Mai 1954: „Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse“
Noch ist Tscherwenkow der starke Mann, der die Parade abnimmt.
Und die Bilder gleichen sich: Wie in allen sozialistischen Ländern wird die Zustimmung der Menschen zur neuen Ordnung durch organisierte Massenaufmärsche belegt. Kinder spielen bei der Selbstinszenierung eine wichtige Rolle. Es wird suggeriert, nur der sozialistische Staat beschützt die schwächsten Glieder der Gesellschaft. (Quelle: net-film)

 

Parade zum 10. Jahrestag der Befreiung Bulgariens, 9. September 1954 | Quelle: lostbulgaria

Am 4. Mai 1953 kommt es in Plovdiv zu Unruhen bis hin zum Streik unter den Arbeitern (meist Frauen) der Tabakfabrik „Stalin“. Sie erheben zunächst gewerkschaftliche Forderungen u.a. nach der Wiedereinführung der alten Normen, bevor die Fabrik verstaatlicht wurde. Einwohner der Stadt schließen sich den Protesten an. Zeitzeugen berichten von einigen tausend Demonstranten - Die Polizeieinheiten schießen auf die Menge. Es gibt mehrere Tote.

Quelle: lostbulgaria

Quelle: BundesarchivAls Schlichter bemüht Tscherwenkow den einst von ihm inhaftierten Anton Yukov, der selbst Tabakarbeiter war. Nach dem 20. Parteitag der KPdSU und Chruschtschows Abrechnung mit Stalin wird auch der „kleine Stalin“ Tscherwenkow abgesetzt und ausgerechnet Yukov übernimmt 1956 sein Amt als Regierungschef. Doch Yukov stürzt 1962 zum zweiten Mal – diesmal über Parteichef Schiwkow, der ihn aller Ämter enthebt.
Yukovs wechselvolle Karriere begann bereits 1944. Als erster Innenminister ist er für den Terror bei der Machtergreifung und den Aufbau der Staatssicherheit (DS) verantwortlich.