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1989

Collage | Quelle: Asociatia Memorialul Revolutiei 16-22 Decembrie 1989 Timişoara

1988

Überschrift

 

Die Luft für Ceauşescu wird immer dünner. Nachdem die westlichen Staaten ihn ignorieren, bleiben ihm nur noch die „alten“ Verbündeten. Mit demonstrativen Solidaritätsbekundungen stützt man sich gegenseitig in der Wahrnehmung der Wirklichkeit. So wird Ceauşescu anlässlich seines 70. Geburtstages im Januar 1988 die höchste Auszeichnung der DDR verliehen, der Karl-Marx-Orden.

Tagung des Warschauer Pakts im Mai 1987. V.l.: Gustáv Husak (ČSSR), Todor Shiwkow (Bulgarien), Erich Honecker (DDR), Michail Gorbatschow (Sowjetunion), Nicolae Ceauşescu (Rumänien), Wojciech Jaruzelski (Polen) und Janos Kadar (Ungarn) | Quelle: Bundesarchiv

 

PDF Download: Appell der Gewerkschaft Libertate. Bild: subjug/iStockphoto„Abschaffung der gegenwärtigen Hungersituation“
Im Mai 1988 gründen verschiedene Oppositionelle die illegale Gewerkschaft „Libertatea“ (Freiheit). Bereits einen Monat später richten sie einen Appell an die KZSE-Nachfolgekonferenz in Wien und machen damit die katastrophalen Zustände für Europa öffentlich.
Quelle: Robert-Havemann-Gesellschaft

 

Im Juni demonstrierten 40.000 Menschen in Budapest und solidarisieren sich mit der ungarischen Minderheit in Rumänien.Im Frühjahr 1988 nennt Ceauşescu erstmals konkrete Zahlen seines „Systematisierungsprogramms“. Demnach sollen bis zum Jahr 2000 die Hälfte aller ca. 13.000 Dörfer beseitigt sein. Es kommt zu Protesten aus ganz Europa. Im Juni demonstrierten 40.000 Menschen in Budapest und solidarisieren sich mit der ungarischen Minderheit in Rumänien.

 

1987

Überschrift

 

Rumänen stimmten über Mandate in den örtlichen Räten abDie auf dem Rücken der Bevölkerung vollzogene Entschuldung des Landes seit 1982 führt zu katastrophalen Lebensverhältnissen.
Am 15. November kommt es im Zusammenhang mit der Kommunalwahl in Kronstadt (Braşov) zu einem Aufstand von ca. 20.000 Arbeitern. Die sozialen Proteste schlagen schnell in eine politische Revolte um. Das Rathaus und die Parteibüros werden besetzt und geplündert und auf dem Marktplatz Parteiunterlagen, Propagandamaterial und Ceauşescu-Porträts verbrannt.
Erst am Abend kann Polizei und Armee die Revolte stoppen. 300 bis 400 Menschen werden verhaftet, verurteilt oder zwangsumgesiedelt.

 

PDF Download: Bericht eines Zeitzeugen. Bild: subjug/iStockphoto„Es schien, als würden die Arbeiter kommen, um ihre Stimme abzugeben.“
Der Aufstand in Braşov ist der Ausgangspunkt einer ständig wachsenden Solidaritätsbewegung in der DDR.

 

Im Jahr darauf bildet dieses Ereignis den Hintergrund für den „euröpäischen Aktionstag Rumänien“.

 

1984


Olympiade in Los Angeles

Überschrift

 

Trotz der innenpolitischen Zustände wird Ceauşescu von westlichen Politikern unterstützt. Durch seinen scheinbar kritischen Kurs gegenüber der Sowjetunion bleibt er für den Westen interessant.

Logo Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 Rumänien ist das einzige sozialistische Land, das die Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 nicht boykottiert– trotz mehrerer Intervention des sowjetischen Botschafters in Bukarest. Zum „Dank“ bekommt Rumänien finanzielle Unterstützung und erhält die Übertragungsrechte für die Olympiade geschenkt.
Rumänien gewinnt nach den USA die meisten Medaillen.

Erst Mitte der 1980er Jahre ist Ceauşescus „Stern“ nach jahrelangem Hofieren am Sinken. Das letzte westliche Land, das ihn einlädt, ist im Oktober 1984 die Bundesrepublik. Es finden ausführliche Gespräche mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) statt.

Quelle: Bundesarchiv

Petra Kelly, 1982 | Quelle: Bundesarchiv Für einen Eklat sorgt die Grünen-Politikerin Petra Kelly. Während des Banketts „zu Ehren des rumänischen Präsidenten“ übergibt sie dem Diktator eine Broschüre von amnesty international über Menschenrechtsverletzungen in Rumänien.

 

Casa Poporului

Ceauşescus Gigantomanie erreicht den Höhepunkt. Seine absurden Bauwerke, um sich zu verewigen, entstehen auf dem Rücken der Bevölkerung. Trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Situation beginnt am 25. Juni 1984 der Bau des „Casa Poporului“ (Volkspalast). Die Idee dazu entstand nach dem großen Erdbeben von 1977. Damals war nur der Bukarester Stadtbezirk Uranus unbeschädigt geblieben. Diesen wählte man nun wegen seiner geologischen Sicherheit zum Standort des Hauptquartiers für Partei und Staat.

 

Bukarest-Uranus
Bukarest-UranusQuelle: Fototeca online a comunismului românesc, privat
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Für den gigantischen Bau wird ein Sechstel der historischen Altstadt abgerissen. Fast 10.000 Wohnungen, ein Dutzend Kirchen, drei Synagogen und andere Gebäude fallen den Bulldozern zum Opfer. Die Bewohner werden in Neubausiedlungen am Stadtrand umquartiert. Die Umsiedlung zerreißt alte soziale Strukturen. Gleichzeitig entstehen Aufmarschplätze sowohl für die üblichen Paraden, aber auch für das Militär im Falle von Unruhen, wie sich zeigen wird.

 

Ehem. Bukarest-Uranus
Ehem. Bukarest-UranusQuelle: Fototeca online a comunismului românesc
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Mit einer nutzbaren Fläche von 365.000 m2, aufgeteilt auf 5.100 Räume, ist der Palast das zweitgrößte Verwaltungsgebäude der Welt nach dem Pentagon in Washington. Innerhalb von 5 Jahren arbeiten über 20.000 Bauleute im Dreischichtsystem. Der Bau hat geschätzte 3,3 Milliarden Euro gekostet, was in etwa 40% des Bruttosozialproduktes Rumäniens entspreche.

 

Casa Poporului (Volkspalast)
Casa Poporului (Volkspalast)Quelle: ABL/R. Kühn, 1990
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„Programmierter Friedhof“: der Donau-Schwarzmeer-Kanal

Donau-Schwarzmeer-Kanal Ein ebenso umstrittenes Bauvorhaben bildet der Donau-Schwarzmeer-Kanal. Er wird am 27. Mai 1984 in wiederum göttlicher Personenverehrung eröffnet, denn damit erfüllt sich ein rumänischer Jahrhunderttraum. Er verkürzt den Schiffahrtsweg zum Schwarzen Meer zwar um ca. 240 km, doch seine tatsächliche Wirtschaftlichkeit wird angezweifelt.
Im 19. Jahrhundert bereits geplant beginnt das Vorhaben 1949. Zwischen 1953 und 1973 ruht der Bau wegen fehlendem Geld.

 

Bauvorhaben Donau-Schwarzmeer-Kanal
Bauvorhaben Donau-Schwarzmeer-KanalQuelle: Fototeca online a comunismului românesc
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Partei und Regierung liegt das Wohlergehen aller am Kanalbau Schaffenden ganz besonders am Herzen. Propagandafilm der DDR zum Baubeginn: „Partei und Regierung liegt das Wohlergehen aller am Kanalbau Schaffenden ganz besonders am Herzen.“
Zum Bau wurden ca. 40.000 Gefangene eingesetzt, die in acht verschiedenen Lagern untergebracht waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Beteiligte reflektieren den Kanal als einen „programmierten Friedhof“. (Quelle: archive.org)

 

1981

Überschrift

 

Am 21. Februar 1981 wird im Auftrag des rumänischen Geheimdienstes Securitate ein Sprengstoffanschlag auf den Radiosender „Radio Free Europe“ (RFE) in München verübt. Ziel ist die rumänische Redaktion. Getroffen wird allerdings durch ein Versehen die tschechische. Es gibt mehrere Schwerverletzte.

Quelle: Hoover Institutions Archive

Quelle: Hoover Institutions Archive

Mikrofon des Radio Free Europe In den Auseinandersetzungen der beiden Machtblöcke spielte der Sender eine wichtige Rolle in der Informationspolitik. „Das Kind des Kalten Krieges“ wurde von den USA finanziert und von Exilanten gemacht. Seit 1951 produzierte man auf Kurzwelle muttersprachliche Programme. Sie versorgten die Heimat mit Informationen jenseits der jeweiligen Parteipropaganda. Daneben spielten für die Hörer die neuesten musikalischen Trends eine wichtige Rolle. Waren diese doch oft, im einheimischen Radio nicht zu hören. Was für die Menschen in der DDR Rundfunk und Fernsehen der Bundesrepublik als wichtige Informationsquelle gewesen ist, war in den anderen ehemaligen Ostblockstaaten Radio Free Europe.
Die kommunistischen Machthaber unternahmen immer wieder große Anstrengungen, den Empfang zu stören. Die Securitate schreckte dabei nicht vor Mordversuchen an rumänischen Redakteuren zurück.

Eine neue Etappe ... Jingle Radio Free Europe
Quelle: Hoover Institutions Archive
Ich hörte es, weil ich es musste
„Ich hörte es, weil ich es musste.“

Ausschnitt einer Dokumentation über die Rolle von Radio Free Europe im Rumänien der 1980er Jahre.

Quelle: archive.org

Übersicht Aufbau des rumänischen Geheimdienstes Securitate | Quelle: ABL

Bild: Collage unter Verwendung von elfinima/Niklz/vusta/iStockphoto

Zu den hauptamtlichen Agenten kommt eine große Masse von Zuträgern. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 1:50 ist. Die Securitate untersteht der direkten Kontrolle durch die Familie Ceauşescu.


Visite auf einem Gemüsemarkt, 1970 | Quelle: Fototeca online a comunismului românesc

Am 9. Oktober verfügt die rumänische Regierung, dass Hamsterkäufe mit 5 Jahren Gefängnis bestraft werden. Am Tag darauf besucht Ceauşescu in Bukarest einen Markt und erklärt demonstrativ, es seien genügend landwirtschaftliche und industrielle Güter vorhanden, um eine „vernünftige Versorgung“, sicherzustellen.