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Ungarn – Das Loch im Stacheldrahtzaun

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Ungarn vollzieht eine Entwicklung vom „besten Schüler Stalins“ zum Vorreiter der Liberalisierung im Ostblock.
Traumatisch ist die Niederschlagung der ungarischen Revolution 1956. In der Folge versucht die kommunistische Partei, die Ursachen der Unzufriedenheit durch Konsum auszugleichen. Das führt zum sogenannten „Gulaschkommunismus“. Die Forcierung individueller ökonomischer Interessen entpolitisiert die Bevölkerung. Gleichzeitig werden die entstehenden westlichen Kauflandschaften für DDR-Touristen zum „Schaufenster“ und wecken materielle Begehrlichkeiten.
Ungarische Verwaltungseliten vollführen unter dem Druck der wirtschaftlichen Misere und der demokratischen Opposition einen evolutionären Systemwechsel – bis hin zum Fall des „Eisernen Vorhangs“.

Dieses „Loch“ führt im Sommer 1989 zu einer Massenflucht von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik.

 

1945

Die deutsche Besatzung und die aktive Teilnahme Ungarns am deutschen Feldzug enden mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen im Oktober 1944. Im Dezember 1944 wird eine neue provisorische Regierung gebildet, die mit den Alliierten verhandelt. Ab dem 20. Januar 1945 herrscht ein Waffenstillstandsabkommen.
Nach Kriegsende liegt Ungarn im sowjetischen Einflussbereich und untersteht einer sowjetischen Militärverwaltung.

 

Noch im Oktober 1944 werden Juden aus Budapest verhaftet und ermordet.
Noch im Oktober 1944 werden Juden aus Budapest verhaftet und ermordet.Quelle: Bundesarchiv
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Am 4. November 1945 finden die ersten freien Parlamentswahlen statt. Die Partei der Kleinlandwirte gewinnt die Wahl (57%) und bildet mit den Sozialdemokraten (17,4%) und den Kommunisten (16,9%) eine Koalitionsregierung. Zoltán Tildy wird Ministerpräsident. Nach der Ausrufung der Republik am 1.Februar 1946 wird er ungarischer Staatspräsident und Ferenc Nagy übernimmt als Ministerpräsident die Leitung der Koalitionsregierung.

Zoltán Tildy (links) und Ferenc Nagy (rechts) | Quelle: Institute for the History of the 1956 Hungarian Revolution

 

1948

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Am 12. Juni 1948 wird – durch die Vereinigung der Kommunistischen Partei und der Sozialdemokratischen Partei Ungarns - die Ungarische Partei der Werktätigen (MDP) gegründet. Mátyás Rákosi, der sich selbst als „Stalins besten Schüler“ bezeichnet, wird Generalsekretär der MDP und treibt mit Unterstützung des Kremls die Sowjetisierung und Machtergreifung der Kommunisten in Ungarn voran.

Árpád Szakasits (l., Sozialdemokratische Partei) und Mátyás Rákosi (Kommunistische Partei) auf dem „Einigungsparteitag“ | Quelle: Institute for the History of the 1956 Hungarian Revolution

 

1947

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Am 24. August 1947 finden erneut – unter Manipulationsverdacht stehende - Parlamentswahlen statt. Die Kommunistische Partei wird die stärkste Kraft. Nachdem die Regierungsbildung unter dem Kommunisten Mátyás Rákosi scheiterte, wird Layos Dinnyés von der Kleinbauernpartei neuer Ministerpräsident. Zoltán Tildy bleibt zunächst Staatspräsident. Imre Nagy wird Parlamentspräsident.

Demonstration zum 1. Mai 1947 in Budapest | Quelle: Institute for the History of the 1956 Hungarian Revolution
Der politische Kurs orientiert sich von nun an stärker an der Sowjetunion. Die Banken, die Bergwerke, die Schwerindustrie und alle Industriebetriebe mit über 100 Arbeitern werden verstaatlicht. Die Kollektivierung der Landwirtschaft wird weiter vorangetrieben und damit die wirtschaftliche und politische Macht der bisher einflussreichen Großgrundbesitzer vollends beseitigt.

 

1949

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Bei den Parlamentswahlen am 15. Mai 1949 geht die MDP siegreich hervor. Das neue Parlament verabschiedet eine neue Verfassung, die der sowjetischen aus dem Jahr 1936 nachempfunden ist. Darin ist die führende Rolle der Partei festgeschrieben.
Am 20. August 1949 wird die Volksrepublik Ungarn ausgerufen.

Alle Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten werden verstaatlicht und der Übergang zur Planwirtschaft vorangetrieben.

Im Wesentlichen ist 1949 der Transformationsprozess Ungarns abgeschlossen.


Eheleute Rákosi bei der Wahl | Quelle: Institute for the History of the 1956 Hungarian Revolution

Schrittweise wird das Mehrparteiensystem abgeschafft und die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Auch in Ungarn kommt es zu Schauprozessen gegen Andersdenkende.

Kardinal Józef Mindszenty ist eines der prominentesten Opfer der Schauprozesse im Jahr 1949. Hintergrund des Konflikts ist die Verstaatlichung von privaten und konfessionell geführten Schulen. Mindszenty protestiert dagegen und wird in einem viel beachteten Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Im Zuge des Aufstandes 1956 wird er befreit. In einer Ansprache am 3.11.1956 fordert er freie Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und Demokratiesierung.

Mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen einen Tag später flieht er in die amerikanische Botschaft. Hier bleibt er für die nächsten 15 Jahre bis er 1971 amnestiert wird und das Land verlassen kann.

77jährig stirbt Kardinal Józef Mindszenty 1975 im Wiener Exil.