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Der berühmte letzte Tropfen – Die Menthol-Zigaretten-Story

PDF Download: Gewinnung von Personen für eine Öffentlichkeitsarbeit. Bild: vusta/iStockphoto Staatssicherheit: "Gewinnung von Personen für eine Öffentlichkeitsarbeit"
Unter den Rückkehrern aus Österreich und der Bundesrepublik sucht die Stasi Personen, die sie für Propagandazwecke der SED benutzen kann. Quelle: BStU

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Die Menthol-Zigaretten-Story | Quelle: ABLAm 21. September 1989 veröffentlicht das „Neue Deutschland“ eine „Räuberpistole“, die in der Mediengeschichte ihres Gleichen sucht:

Am 11. September sei Hartmut Ferworn, Koch der Mitropa - dem Serviceunternehmen der Deutschen Reichsbahn, bei seinem Aufenthalt in Budapest durch eine Mentholzigarette betäubt worden. Wieder aufgewacht, sitzt er in einem Reisebus zur westdeutschen Botschaft nach Wien. Ferworn behauptet in dem Interview, dass er von „kaltblütigen Menschenhändlern“ gekidnappt wurde, die damit dem Ansehen der DDR schaden wollen.

 

Ich habe erlebt, wie BRD-Bürger gemacht werden ... | Quelle: Neues Deutschland

PDF Download: Die Mentholzigarette schmeckte irgendwie komisch. Bild: vusta/iStockphoto "Die Mentholzigarette schmeckte irgendwie komisch."
Das Interview beginnt unverblümt auf der Titelseite. Die reale Person Jens Wunsch „mit Leipziger Dialekt“ wird dabei gnadenlos diffamiert.

In der DDR ist die politische Schulung der Bevölkerung kostenlos ... | Quelle: ABL

Dieser Artikel wird zur Lachnummer. Er zeigt aber auch, welches Bild die Führungsspitze der SED vom Volk hat. Man glaubt nachwievor, mit althergebrachten Feindbildern, die Probleme weiter verschweigen zu können. Diese Ignoranz heizt den Unmut der Massen jedoch weiter an.

Power to the people | Quelle: ABL

Die Lügenstory hat ein Nachspiel. In der Auseinandersetzung mit der SED im Herbst 1989 wird der Artikel zum Symbol ihrer Unglaubwürdigkeit.

 

Dialog-Veranstaltung „Es ist unglaublich, wie wir als Bürger dieses Landes behandelt werden.“
Auf einer „Dialog“-Veranstaltung im Leipziger Kabarett „academixer“ am 28.10.1989 bemühen sich die Eltern des „Menschenhändlers“ Jens Wunsch um eine Rehabilitierung. Doch die Repräsentanten der Staatsmacht empfinden keine Mitverantwortung. (Quelle: ABL)

In eigener Sache | Quelle: ABL

Auf Grund vieler Reaktionen sieht sich das „Neue Deutschland“ genötigt, das Thema noch einmal aufzugreifen. Dabei beruft man sich jeweils auf „höhere Gewalt“, denn auch das Zentralorgan der SED sei schließlich der „Kommandogewalt“ ausgeliefert gewesen.

„Wir müssen die Kritik mit dem heutigen Erkenntnisstand akzeptieren.“ „Das ND übte keinerlei Druck auf den ‚Zeugen‘ aus.“
Neues Deutschland 3.11.1990 Neues Deutschland 5.1.1990